Über die Fahrdisziplinen

Fahren als Pferdesport

Fahrsport ist eine Form des Pferdesports und bezeichnet im weitesten Sinne das Fahren mit Kutschen und Wagen. In Deutschland steht Fahrsport im Gegensatz zum Freizeitfahren tendenziell für Fahrturniere bzw. das Training dafür.
Auch für Freizeitfahrer sind die heutigen Anforderungen - ob bei der Leonardifahrt, beim Dorffest-Umzug oder auf einer Planwagentour mit Freunden - extrem hoch. Das vorschriftmäßige Fahren und Beherrschen eines Gespannes ist Voraussetzung für Freizeit- und Turnierfahrer zugleich.
Straßenverkehr, Umwelteinflüsse und unzählige Regelungen, u.a. im BGB und der StVO, setzen eine Verständnisvolle und Rücksichtsvolle Fahrweise voraus.
Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Fahrsport mit Pferden, sowie die Fahrkultur zu pflegen und fördern.

Benno von Achenbach

Benno von Achenbach ist der Begründer des deutschen Fahrsystems. Er wurde am 24. Juli 1861 in Düsseldorf geboren, wo heute eine Straße nach ihm benannt ist. Nach einem langen und schöpferischen Leben starb er im Alter von 75 Jahren am 15. Oktober 1936 in Berlin.

Schon als Kind war er mit seinen Eltern viel auf Reisen und beobachtete hierbei mit Abscheu Pferdequälerei. Schon damals machte er sich Gedanken, wie hier Abhilfe zu schaffen sei. Er studierte alle im Handel erhältlichen Fahr- und Fachbücher und nahm jede Gelegenheit wahr, um mit Pferden zu fahren.

Benno von Achenbach unternahm eine u.a. große Alpenfahrt über die Schweiz nach Italien und später von München über Innsbruck nach Bad Gastein.

Jahrelang hat er auch alle Linien der Road-Coaches-Strecken in England selbst befahren.

Aus eigener Erfahrung als Fahrer englischer Coaches und durch Beobachtung anderer Fahrlehrer (u.a. Howlett) entwickelte er das pferdeschönende und sichere Fahrsystem.

Maßgeblich hierfür waren seine Verbesserungen an den alten englischen und deutschen Fahrleinen.

Als Leiter des kaiserlichen Marstalles in Berlin schrieb er seine Gedanken in dem Buch "Anspannen und Fahren" nieder.

Mit der Einführung seines Fahrsystems wollte er eine Vereinheitlichung der Fahrsysteme durch- bzw. umsetzen.

Sein Fahrsystem wurde 1922 in die damalige Heeresdienstvorschrift (HDV) übernommen. Nicht nur das deutsche Militär, sondern auch andere Länder (Schweiz, Türkei, Italien, Benelux) haben das Fahrsystem übernommen.

Sein Grundgedanke war immer den Pferden die Arbeit im Gespann zu erleichtern. Es ist bezeichnend, dass der Ausgangspunkt für Benno von Achenbach kein sportlicher, sondern in erster Linie ein tierschützender Gedanke war.

Er versuchte größtmögliche Sicherheit, Zweckmäßigkeit und Schönung des wertvollen Pferdematerials zu vereinbaren.

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Die Fahrdisziplinen

Auf Fahrturnieren wird im Allgemeinen ein-, zwei- oder vierspännig gefahren. Die meisten Turniere bestehen aus kombinierten Prüfungen in den Disziplinen Dressur, Marathon (Gelände) und Hindernisfahren (Kegelfahren). Diese werden einzeln und kombiniert gewertet. Neben dem Gewinner der jeweiligen Einzeldisziplin wird das Gespann mit den besten Resultaten aller drei Teilprüfungen Gesamtsieger der Kombination.

Dressurfahren

Hier wird auf einem Fahrviereck eine vorgeschriebene Dressuraufgabe absolviert. Bei der Beurteilung durch die Richter wird Wert auf stilechte Kleidung, Kutschen traditioneller Bauweise und dazu passende Pferde gelegt. Die Dressuraufgabe besteht wie beim Reiten vorwiegend in Hufschlagfiguren und Tempiwechsel. Die Dressur wird mit Wertnoten zwischen 0 und 10 mit Zehntelwerten bewertet. Das Gespann muss eine Wertnote von 5,0 erreichen um die folgenden Prüfungen, meist Kegelfahren und Geländeprüfung fahren zu dürfen.

Marathon

Gefahren wird eine in 3 bis 5 Teilstrecken getrennte Strecke, meist etwa 15-18 km. In den Teilstrecken sind bestimmte Gangarten und Zeiten (Mindest- und Höchstzeiten) einzuhalten. Der letzte Streckenabschnitt hat zwischen fünf und acht Hindernissen, die möglichst schnell zu durchfahren sind. Häufig sind auch Geländehindernisse, wie etwa Wasserdurchfahrten, zu meistern. Im Marathonparcours darf galoppiert werden. Gefahren wird in Sportkleidung und  mit Marathonwagen. Der Beifahrer (Groom) stabilisiert in schnellen Kurven die Kutsche durch Gewichtsverlagerung und sagt dem Fahrer häufig laut rufend die Linienführung beziehungs- weise den Weg durch die Hindernisse an. Beim vierspännigem Marathon sind zwei Beifahrer vorgeschrieben.

Hindernisfahren

Das Hindernisfahren nennt sich inoffiziell Kegelfahren. Auf einem Parcours sind je nach Schwierigkeitsgrad der Prüfung bis zu 20 Kegelpaare aufgestellt, deren Abstand etwa 20 cm-50 cm weiter ist als die Wagenspur. Die Kegelpaare sind innerhalb einer festgelegten Strecke möglichst schnell zu durchfahren, ohne einen Kegel umzuwerfen oder einen Ball, der auf den Kegeln liegt, abzuwerfen. Die Kegeltore sind mit einer roten Zahl auf der rechten Seite und einer weißen Zahl auf der linken Seite durchnummeriert. Wer ein Tor auslässt, oder von der falschen Seite fährt, ist disqualifiziert.


Zur Bewertung gibt es zwei verschiedene Richtverfahren. Beim ersten Richtverfahren wird zuerst nach Fehlern und erst danach nach Zeit gewertet. Es siegt also das Gespann mit den wenigsten Strafpunkten und bei Gleichstand das mit der schnellsten Zeit. Für jeden abgeworfenen Teil werden hier fünf Strafpunkte berechnet. Beim zweiten Richtverfahren werden pro abgeworfenen Teil fünf Strafsekunden zurzeit dazugezählt. Es siegt der Zeitschnellste.

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